Dosenfutter auf Rädern!

es ist 22.00 Uhr als wir von unserer Unterkunft über die Hängebrücke zum Haupthaus der Sarova Salt Lick Lodge gehen. Stockdunkel ist es. Einzig die Strahler, die das große Wasserloch direkt an der Lodge beleuchten werfen Licht in die Nacht. Am Wasserloch zwei Elefanten und ein paar Warzenschweine. Die großen Fledermäuse (oder vielleicht sind es Flughunde) kreisen mit Ihrem flap-flap-flap-Geräusch und fangen die Insekten, die vom Licht angezogen werden, sonst sind nur die typischen Nachtgeräusche der Savanne zu hören.
Bei uns von Müdigkeit keine Spur. Obwohl es ein anstrengender Tag war, sind wir aufgeregt, denn wir brechen auf zu einer nächtlichen Pirschfahrt. 
Wir sind zu sechst, vier Touris, unser Fahrer und ein Ranger, der uns begleiten wird. 
Als wir aus der Lodge fahren umfängt uns die Dunkelheit. Keine klare Nacht.
Es ist bewölkt und nieselt. In Schleichfahrt fahren wir durch die endlose Dunkelheit. Wir stehen im oben offen Auto. Zu sehen nur, was direkt vor den Autoscheinwerfern ist und was der Ranger mit seiner starken Taschenlampe anleuchtet. Eine gute Stunde fahren wir so durch die Gegend. Die Situation hat irgendwie was von Jurassic-Park. Keiner sagt ein Wort. Zu hören nur das leise Brummen des Motors. Da - Zebras. Eine Antilope. Eine Eule. Leuchtende Augen in der Dunkelheit.
Gespannt folgen wir mit den Augen dem Taschenlampenstrahl.
Eine Herde Zebras wechselt direkt vor unserem Auto, so dass wir anhalten müssen. Weiter!
Plötzlich - aus dem Augenwinkel sehe ich links neben dem Auto eine Bewegung!
STOPP !! ON THE LEFT !
Der Fahrer reagiert prompt, stoppt und fährt dann langsam ein paar Meter zurück und macht das Auto aus. Der Ranger richtet seinen Strahler auf das Geschehen. 
Knapp drei Meter neben unserem Auto - ein Löwenrudel mit nächtlicher Beute!!
"You are lucky guys!! Lucky night!!" - sagt der Ranger begeistert, sowas sieht man nicht oft!
Von der gerissenen Antilope ist nicht mehr viel da. Zwei Junglöwen streiten sich noch um die Reste und fauchen und brüllen sich beeindruckend lautstark an, in der sonst geräuschlosen Nacht!!
Es riecht nach Blut. Man hört das Knacken der Knochen.
Der Rest des Rudels, welches nur aus weiblichen- und Jungtieren besteht -  die männlichen Tsavo-Löwen sind als Einzelgänger unterwegs - hat sich nach katzenmanier schon zusammengelegt, leckt sich gegenseitig das Blut aus dem Fell. "Lipstick" (Lippenstift) sagt unser Fahrer.

 

Es kommt die Frage auf, wie gut denn Löwen nachts wohl sehen. "Verry clearly (glasklar)" sagt der Ranger und macht die Lampe aus!

 

Es ist stockdunkel, wir stehen im offenen Auto keine drei Meter neben einem, zwar gerade satten, aber freilebenden, wilden Löwenrudel und kommen uns unglaublich klein vor!
Wie Dosenfutter auf Rädern!

 

Auf der Rückfahrt spricht keiner ein Wort, viele Gedanken gehen uns allen durch den Kopf. Nach so vielen Eindrücken ist an Schlaf nicht zu denken und wir sitzen noch eine Zeit lang zusammen auf der Aussichtsplattform der Lodge, mit Blick aufs Wasserloch und reden über das Erlebte.

 

kleine Anmerkung:

Der mähnenlose Tsavo-Löwe hat sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts einen Ruf als »Menschenfresser« gemacht, als Arbeiterkolonnen die Zuglinie von Mombasa nach Uganda bauten. Mindestens 28 indische Bahnarbeiter, einen britischen Ingenieur und einen Polizisten sollen die Tsavolöwen auf dem Gewissen haben.
Dazu gibt es auch einen berühmten Film "Der Geist und die Dunkelheit" mit Val Kilmer.

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